Woher beziehe ich meine Informationen? Wieso kann ich vor den öffentlichen Medien oder überhaupt über bestimmte Sachverhalte berichten? Als ich seit 2006/2007 von den bevorstehenden – und heute zum Teil bereits eingetretenen Ereignissen berichtete, gab es noch wesentlich weniger Quellen als heute. Auch wenn es heute mehr Quellen gibt, ist es nicht einfacher geworden, denn es gibt auch viel Desinformation. Eine sehr vernünftige Quelle ist kapitalmarkt-trends. Ich möchte heute einen Kommentar daraus von Norbert Lohrke ungekürzt wiedergeben, er scheint mir heute einen Sachverhalt darzustellen, der momentan sympthomatisch ist für die Selbstbedienungsmentalität von einigen ganz üblen Typen. Ehrliche Manager kommen dabei unter die Räder! Aber lesen Sie selbst.

Wenn Gier und Graus auf Sorgfalt trifft

Sehr geehrter Anleger,

es sind manchmal die unscheinbaren Pressemeldungen hinter denen sich unglaubliche Vorgänge und Geschichten verbergen. Am 15. August letzten Jahres meldete die Hamborner AG, dass die Bestellung eines Vorstands „aus wichtigem Grund mit sofortiger Wirkung widerrufen wurde“.

Dieser Vorstand, der mutig um seinen Ruf kämpfte, hat nun vor dem Landgericht Duisburg Recht bekommen. Die Hamborner AG erklärte ausdrücklich, dass sie „an den Vorwürfen, die dem Kläger anlässlich der Abberufung gemacht wurden, nicht festhält“. Dem ehemaligen Vorstand nützt das wahrscheinlich wenig, denn so wie unsere Gesellschaft derzeit aufgestellt ist, wird er wohl nirgendwo mehr landen können. Denn Anstand lohnt erst einmal nicht. Wobei er nichts anderes tat, als der Sorgfaltspflicht seiner Gesellschaft gegenüber nachzukommen. Immerhin eine gesetzliche Pflicht. Das kümmert in diesem Lande aber offenbar niemanden. Bis hin in die Staatskanzleien in Kiel und Hamburg. Und auch die DSW – Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. scheint mit ihrem Präsidiumsmitglied Dr. Eckart John von Freyend darüber hinwegsehen zu wollen, was ein äußerst schlechtes Licht auf sie wirft.

Denn im Kampf um Macht, Einfluss und Geld ist Sorgfalt nicht immer gewünscht. Grauslige Gier ist das Prinzip. Also eher das Gegenteil. Und wie sollte es anders sein? Wieder einmal sind zwielichtige Geschäftspraktiken einer hier im Norden hinlänglich bekannten, sorry berüchtigten Bank im Mittelpunkt. Aber beginnen wir von vorn.

Sie kennen die Szene aus dem Paten, wo Marlon Brando, c/o der Pate, zu einem Hilfesuchenden sagt, dass er zur Lösung des Problems „ein Angebot machen werde, das der Andere nicht ablehnen kann“? So in etwa soll es bei der Hamborner AG zugegangen sein, wobei die Rollen des Bösewichts und des Guten etwas vertauscht waren. Die Rolle des Bösewichts nimmt wieder einmal die bis ins Mark marode, von unseren Steuergeldern getragene HSH Nordbank AG ein. Und derjenige, der das Angebot bekommt, ist ein Vorstand der nur seinen Job ordentlich machen wollte.

Also, da bekommt ein Vorstand eine Rahmenvertrag über die Erbringung von Beratungsleistungen im Zusammenhang mit dem Erwerb von Immobilien/-portfolios, indem steht, dass die HSH Real Estate, eine Tochter der HSH Nordbank AG, das pauschale Recht bekommen soll, Kaufobjekte zu bewerten, externe Berater zu engagieren, Kaufverträge vorzuverhandeln und Gespräche bis zum Ende zu begleiten sowie die Finanzierung vorzubereiten. Kurzum ein von der Rechtsanwaltskanzlei Clifford Chance vorbereitetes All Inclusive Sorglospaket. Und weil die HSH eine so „hervorragende“ Bank ist, werden nicht die marktübliche Provision von 1,5 % berechnet, auch nicht 2,5 %. Nein, wer eine so „herausragende“ Bankdienstleistung vom „Herrscher über die roten Zahlen“ haben will, muss schon 133 % Aufschlag auf den üblichen Marktpreis, also 3,5 % bezahlen.

Dass damit der „Untreue Vorschub geleistet würde“, der Vertrag „gegen das Aktienrecht verstößt“ und eine „gravierende Einflussnahme auf die Eigenständigkeit der Gesellschaft“ vorliegt, so jedenfalls das Anwaltsbüro Clearly Gottlieb Stehen & Hamilton interessiert auch unseren jetzigen Aktionärsschützer bei der DSW nicht. Auch hat der Rest des DSW-Präsidiums damit offenbar kein Problem. Vielleicht ist es aber auch nur so, dass man dort jemand haben will, der weiß, wie man solche Dinge dreht.

Aber wer glaubt, dass es damit sein Bewenden hat, irrt. Jetzt kommt eine weitere Immobiliengesellschaft ins Spiel. Die TAG Immobilien AG mit Sitz in….? Sie haben richtig geraten. Mit Sitz im ach so sauberen Hamburg.

Und so ist der Vorstand schon wieder in der komfortablen Lage, ein Angebot zu bekommen, dass er – wie sich später zeigt – nur unter Gefährdung seines Jobs und seiner Existenz – ablehnen kann. Dr. Marc Weinstock, übrigens immer noch Vorstandsvorsitzender der Hypo Real Estate AG in Hamburg, Hermannstraße 13, hat das offensichtlich am Vorstand vorbei mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden und Witwen und Waisenschützer Aktienschützer Dr. Eckart John von Freyend besprochen. Wobei hier Aussage gegen Aussage steht.

Eine kleine Pikanterie in dieser Geschichte ist die Tatsache, dass HSH Real Estate Vorstandsvorsitzender Dr. Weinstock der Stellvertreter von Freyend im Aufsichtsrat der Hamborner war. Ist das nicht praktisch? Und so dachten die beiden vielleicht, wozu brauchen wir einen Vorstand, wo wir uns doch so gut verstehen? Und noch dazu einen, der sich an Recht und Gesetz hält? Denn laut Anwaltskanzlei ist dem Vorstand zugeleitete Absichtserklärung „in massiver und rechtswidriger Weise“ ein Versuch die Leitungsmacht an sich zu ziehen. Vor verdeckter Gewinnausschüttung, Steuerhinterziehung, verbotener Einlagenrückgewähr und Untreue wurde gewarnt.

Die TAG soll nämlich ein Aktienpaket von 4,9 % an der Hamborner AG von der HSH Real Estate kaufen Auch soll die HSH aus einem Bezugsrechtskauf 11 Mio. Euro erhalten. Problematisch an dem Deal ist nur, dass die TAG 10,80 Euro zahlt, statt sich an der Börse wesentlich günstiger mit 7,50 Euro einzudecken und die Bezugsrechtsgrundlage nicht ganz klar war. Soll heißen, dass die HSH 26 Mio. Euro bekam, für etwas was eigentlich nur 10,5 Mio. Euro wert war. Jetzt wissen Sie, warum Dr. Weinstock noch bei der HSH Real Estate ist. Wer Steine in Gold verwandeln kann, ist immer gern gesehen. Auch, wenn auf der Gegenseite kleine Aktionäre bluten. Aber dafür haben wir dann ja die DSW und Herrn Dr. von Freyend. Damit ist es endlich gelungen, das Finanz-Perpetuum Mobile nach deutscher Gutsherrenart, das deutsche Gegenstück zur US-Subprime, zu erfinden. Denn womöglich hat die HSH Nordbank die TAG AG und die Hamborner AG am Vermögensverwalterschalter auch noch zum Kauf empfohlen?

Nur zwei stören dabei. Ein offenbar ehrlicher Vorstand, der zu aufrichtig ist bei solchen Schweinereien, wenn sie denn vorliegen, mitzumachen und Kleinaktionäre, die so blöd sind zu glauben, dass man mit Aktien die Altersvorsorge bestreiten kann. Und so kam es, wie die schwäbische Band „Schwoißfuaß“ es in ihrem Text vorwegnahm. „Oinr isch emmer dr Arsch, ond er woiß id mol warom, Oiner bleibt emmer übrig ond koiner schert sich drom“. Und so musste der Vorstand am Ende gehen. Dr. Freyend, wohlgemerkt heute Präsidiumsmitglied der DSW – Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapiersparen hat ihn, natürlich auf Basis von unangreifbaren Gutachten der Kanzlei Shearman & Sterling, in die Wüste geschickt. Und rief ihm zu allem Überfluss noch hinterher, dass angeblich „nie Druck ausgeübt“ wurde und alles schon mit rechten Dingen zuging.

Auch die Staatskanzleien in Kiel und Hamburg scheint das wenig zu interessieren. Herr Ministerpräsident Carstensen und Erster Bürgermeister Herr Ole von Beust, beide übrigens CDU, haben unsere Steuergelder in Höhe von 3 Mrd. Euro und einem Risikoschirm von 10 Mrd. Euro gern bereit gestellt und über solch gedeihliche Praktiken gespannt. Eine gestern angefragte Stellungnahme von dem in Schleswig-Holstein in vier Wochen zur Wiederwahl anstehenden MP Carstensen erhielt ich übrigens nicht. Wie übrigens auch nicht von Herrn Prof. Dr. Nonnenmacher, dem HSH Chef. Ob Ihr Schweigen Zustimmung bedeutet?

Offensichtlich stört auch nicht, dass in dem HSH Nordbank New York Ableger eine Mitarbeiterin gegen die Führung klagt, weil sie gemobbt wurde. Einer der führenden Manager hatte wohl seine Geliebte nach oben hieven wollen und die Dame stand dabei leider im Weg.

Sind das nicht herrliche Geschichten? Und wir durften nicht nur dabei sein sondern auch noch dafür bezahlen! Zu allerletzt wird das Ganze vom jetzigen HSH Nordbank-Aufsichtsratsvorsitzenden, Peanuts-Fürst und Ex-Chrysler Fusions Befürworter sowie Ex-Deutsche Bank Chef Hilmar Kopper souffliert.

Wie schön, wenn sich Ministerpräsidenten, Vertreter maroder und „sauberer“ Banken und Aktionärsschützer so gut verstehen. Da kann eigentlich nichts mehr schief gehen in unserem Land, oder? Wenn da nur nicht diese aufmüpfigen Menschen und Schreiberlinge wären, die noch an Moral, Anstand, Recht und Gesetz glauben. Und die leidigen Kleinaktionäre, die in ihrer Maßlosigkeit auch noch ein Stück vom Kuchen wollen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und hohe Renditen.

Ihr Norbert Lohrke

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