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Zum gestrigen von mir veröffentlichten Gastartikel von Kapitalmarkt!Trend (wohl eine gute Wahl;-)) gab es ein Nachspiel. Aber lesen Sie selbst:

Schreibfehler versus Wertvernichtung

Sehr geehrter Anleger,

Meine Kolumne von gestern hatte noch ein kleines Nachspiel. So rief mich der Pressesprecher der HSH Nordbank AG an und erzählte mir, dass das was in dem Handelsblattartikel stehen würde nicht zutrifft und die Handelsblatt Redakteure das – nachdem sie das Gutachten der HSH Rechtsanwälte erhalten und auch eingesehen hätten – auch so gesehen hätten. Da man sich aber gegenüber der Chefredaktion eindeutig positioniert hätte, könne man das natürlich im Nachhinein schwer gerade rücken. Und meinem Wunsch zufolge, wollte er auch mir das Gutachten zukommen lassen. Er war also alles in allem recht freundlich zu mir.

Das war bevor er über den Goolge Alert einen Hinweis auf meine Kolumne bekommen und sie gelesen hatte. Danach erhielt ich von ihm noch einmal einen Anruf. Der war allerdings weniger freundlich. Darin beschwerte er sich, dass ich der HSH Nordbank AG kaum Zeit gelassen hätte sich zu äußern, da meine E-Mail um Stellungnahme erst um 18.18 Uhr eingegangen wäre. Und meine Kolumne nicht gerade das wäre, was er als erstes lesen würde. Zudem sei es illusorisch ein Schreiben an Herrn Nonnenmacher direkt zu richten. Was ich mir dabei denken würde. Außerdem würde ich die Sachverhalte falsch und unsauber darstellen. Ferner zweifelte er an meinen schreiberischen Qualitäten und hob die Rechtschreibfehler hervor. Ich solle doch erst einmal meinen Text diesbezüglich überarbeiten.

Ferner passte dem Pressesprecher der HSH Nordbank AG meine Diktion nicht. „Herrscher der roten Zahlen“ wäre doch wohl eine Frechheit. Und nun nachdem ich mir meine Meinung ja schon gebildet hätte, brauche ich das Gutachten der HSH Real Estate auch nicht mehr zu bekommen. Meinen Hinweis, dass er mir ja eine Unterlassungsklage schicken könne bzw. dass ich auch etwas richtig stellen würde, wenn er mich denn vom Gegenteil überzeugt, fiel auf fruchtlosen Boden. Und schließlich bestritt er, dass wir Steuerbürger Geld in die HSH reingegeben hätten. Es wäre nur ein Darlehen von 3 Mrd. Euro, von dem immerhin schon 100 Mio. Euro zurückgezahlt wären. Wobei er einräumte, dass wir Steuerzahler wohl schon ein Risiko tragen würden.

Was soll ich dazu sagen? Ja, Herr Hoffmann, ich mache Rechtschreibfehler. Auch verhehle ich nicht, dass ich schon in der Schule Probleme mit der Zeichensetzung hatte. Die Frage Komma hier oder da, stürzt mich noch heute in tiefe Gewissenskonflikte. Allerdings habe ich im Gegensatz zu den sicherlich fehlerfreien Schreiben der Briefe des Vorstands der HSH, der dafür sicherlich ein ganzes Aufgebot von Sekretärinnen hat, und den sicher auch orthografisch richtigen Gutachten Ihrer Rechtsanwälte mich nicht in dem Maße verzockt, dass ich an den Rande der eigenen Existenz kam. Wo doch das Geld nicht der USA sondern deutschen Mittelständler zu gute kommen sollte, oder? Jedenfalls steht das in Ihrer Satzung! Und auch kann ich es mir nicht leisten, wegen Vorwürfen einzelner Personen wie beim New Yorker Vorfall gleich zwei Gutachter (Moses & Singer LLP und Proskauer Rose LLP) einzuschalten. Mir erscheint das auch ein Wenig wie mit Kanonen auf Spatzen schießen und kommt einem Eingeständnis gleich. Haben Sie diese martialische Vorgehen nötig?

Auch bin ich als Selbständiger abends noch an meinem Schreibtisch und arbeite. Eine E-Mail um diese Zeit erhält von mir glatt noch eine Antwort. Und dabei habe ich keine 5.070 Mitarbeiter. Das bei Ihnen um diese Zeit in verantwortlicher Position offensichtlich keiner mehr anzutreffen ist, spricht für sich und passt ins Bild. Und als Chef bin ich im Gegensatz zu Herrn Nonnenmacher ansprechbar. Insbesondere wenn es um wichtige Dinge geht, wie den Ruf und das Vertrauen in mein Unternehmen. Gibt es was Wichtigeres? Aber darum braucht sich jemand der heute hier als Vorstand anheuert, kassiert und morgen dort, nicht kümmern. Da haben Sie wohl recht. Herr Eick zeigt das bei der Arcandor AG gerade recht deutlich.

Und was meine „Diktion“ betrifft. So ziehe ich den Begriff „Herrscher über die roten Zahlen“ zurück. Sie haben recht. Das würde nämlich den falschen Eindruck erwecken, als ob die HSH Nordbank AG ihre roten Zahlen tatsächlich im Griff hätte. Ich gehe davon aus, dass das in ihrem Zustand noch nicht der Fall ist. Insofern wäre „Fass ohne Boden“ wohl angebrachter, oder?

Und was die Angelegenheit um Hamborner bzw. Tag, den geschassten Hamborner Vorstand angeht, der jetzt vor dem Landgericht Recht bekommen hat, so sehe ich da eher Sie und Ihre Bank in Erklärungsnot, denn mich selbst. Sorry, dass ich das so deutlich sagen muss. Sollten Sie das anders sehen, sehe ich einer Unterlassungserklärung Ihrer Bank mit Zuversicht entgegen. Und die Politik Ihres Hauses nur den Schreibern, die wohlmeinend über Sie schreiben, mit Informationen zu versorgen und die Kritiker mit Nichtbeachtung zu bestrafen, passt zu dem Eindruck, den ich von Ihrem Haus gewonnen habe. Aber eine Frechheit ist, dass Sie und die HSH Nordbank AG die Hilfe, die wir Steuerzahler Ihnen geben so herabwürdigen und verächtlich betrachten. Ich als Bürger Schleswig-Holsteins würde Ihrem Haus – wenn ich es denn könnte – am liebsten meine paar Kröten entziehen.

Ob diese Arroganz, die Sie und damit Ihr Haus mir gestern gegenüber gebracht haben, Ihrer Lage angemessen ist, wage ich zu bezweifeln. Das überlasse ich der Einschätzung meiner Leser. Man kann nur hoffen, dass Sie Ihre „kleinen“ Kunden besser behandeln.

Ich wünsche Ihnen, Herrn Hoffmann einen schönen Tag und Ihrer Bank hoffentlich irgendwann wieder Renditen.

Ihr Norbert Lohrke

Ende des Gastbeitrags.

Weitere Kommentare erübrigen sich von selbst. Wohin uns diese Leute wohl führen werden?

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