Alle Artikel im Januar, 2010

Was überdauert die Zeiten? Was hat Wert und behält ihn über lange Zeiträume, über viele Generationen? Solch theoretische Fragen kann man sehr praktisch untersuchen. Man braucht bloß in Museen zu gehen. Z.B. bietet sich die Lange Nacht der Museen in Berlin geradezu an. Am gestrigen Samstag war wieder solch eine Nacht, bei der viele Museen “bis in die Puppen” offen hatten.

Wert haben bis heute behalten: kunstvoll gemalte Bilder, Skulpturen, Münzen. Alles zumeist schöne Dinge. Oft zusätzlich mit ganz unterschiedlichem Nutzwert. Mir hatte es natürlich das Münzkabinett mit der Münzensammlung im Bodemuseum angetan.

Welch unglaubliche Handwerkskunst bereits vor vielen Hunderten von Jahren, ja schon weit vor Christi Geburt bereits vorhanden waren! Und natürlich haben diese Münzen heute alle noch einen Wert. Oft einen viel höheren als der reine Metallwert. 

Über die Jahrhunderte wurden die Münzen oft eingeschmolzen und neue geprägt. Der Wert des Edelmetallgehaltes von Gold und Silber verschwand dabei niemals! Schauen Sie doch mal in Ihre Geldbörse. Haben Sie da Geld drin, dessen Wert niemals verschwinden wird?

Ich wünsche es Ihnen! Obzwar ich stark annehme, Sie haben da nur ein paar Papierzettel und Münzen aus billigem Metall, in die Sie das Vertrauen setzen, daß es auch morgen noch in jedem Geschäft angenommen wird.

Ob es Sinn macht im Angesicht der de facto Zahlungsunfähigkeit von Griechenland zumindest Ihre Euroscheine mit dem Y in der Seriennummer gegen richtiges Geld, nämlich Gold oder Silber zu tauschen?

Die Münzen aus dem Münzkabinett des Bodemuseeums können Sie bei mir nicht erwerben. Jedoch einige andere schöne Münzen schon.

Zur Kaufkraftsicherung und zum Vermögenserhalt sind diese Münzen und Barren oder ein Edelmetall-Lagervertrag die beste Wahl.

 

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Nur sind wir nicht nur ein paar mehr als 100 Narren wie auf dem Narrenschiff auf dem Wege nach Narragonien, sondern viel mehr. Wohin wird das Schiff steuern?

 

 

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jheronimus_bosch_011

Hieronymus Bosch

The Ship of Fools, or the Satire of the Debauched Revelers

 

Das Narrenschiff

 

 

Das Quecksilber fällt, die Zeichen stehen auf Sturm,
Nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm
Und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine.
Und rollen und Stampfen und schwere See,
Die Bordkapelle spielt „Humbatäterä“,
Und ein irres Lachen dringt aus der Latrine.
Die Ladung ist faul, die Papiere fingiert,
Die Lenzpumpen leck und die Schotten blockiert,
Die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten.
Die Seen schlagen mannshoch in den Laderaum
Und Elmsfeuer züngeln vom Ladebaum,
Doch keiner an Bord vermag die Zeichen zu deuten!

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.

Am Horizont wetterleuchten die Zeichen der Zeit:
Niedertracht und Raffsucht und Eitelkeit.
Auf der Brücke tummeln sich Tölpel und Einfaltspinsel.
Im Trüben fischt der scharfgezahnte Hai,
Bringt seinen Fang ins Trockne, an der Steuer vorbei,
Auf die Sandbank, bei der wohlbekannten Schatzinsel.
Die andern Geldwäscher und Zuhälter, die warten schon,
Bordellkönig, Spielautomatenbaron,
Im hellen Licht, niemand muß sich im Dunkeln rumdrücken
In der Bananenrepublik, wo selbst der Präsident
Die Scham verloren hat und keine Skrupel kennt,
Sich mit dem Steuerdieb im Gefolge zu schmücken.

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.

Man hat sich glatt gemacht, man hat sich arrangiert.
All die hohen Ideale sind havariert,
Und der große Rebell, der nicht müd‘ wurde zu streiten,
Mutiert zu einem servilen, gift‘gen Gnom
Und singt lammfromm vor dem schlimmen alten Mann in Rom
Seine Lieder, fürwahr: Es ändern sich die Zeiten!
Einst junge Wilde sind gefügig, fromm und zahm,
Gekauft, narkotisiert und flügellahm,
Tauschen Samtpfötchen für die einst so scharfen Klauen.
Und eitle Greise präsentier‘n sich keck
Mit immer viel zu jungen Frauen auf dem Oberdeck,
Die ihre schlaffen Glieder wärmen und ihnen das Essen vorkauen.

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.

Sie rüsten gegen den Feind, doch der Feind ist längst hier.
Er hat die Hand an deiner Gurgel, er steht hinter dir.
Im Schutz der Paragraphen mischt er die gezinkten Karten.
Jeder kann es sehen, aber alle sehen weg,
Und der Dunkelmann kommt aus seinem Versteck
Und dealt unter aller Augen vor dem Kindergarten.
Der Ausguck ruft vom höchsten Mast: Endzeit in Sicht!
Doch sie sind wie versteinert und sie hören ihn nicht.
Sie zieh‘n wie Lemminge in willenlosen Horden.
Es ist, als hätten alle den Verstand verlor‘n,
Sich zum Niedergang und zum Verfall verschwor‘n,
Und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden.

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.

Reinhard Mey
auf Flaschenpost 1998

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